Samstag, 28. Januar 2017

Engel


Sie haben es wahrlich alles andere als leicht in der heutigen Zeit. Unsere Engel. Dabei wollen sie nur das Beste. Das Gute.

Auf der einen Seite sind da die Klardenker, die der Menschheit klar machen wollen, dass es sich hierbei nur um Hirngespinste handeln müsse und die den Glauben daran in die kleinsten unbrauchbaren Stücke zerfetzen um diese anschliessend oft der Lächerlichkeit Preis zu geben.

Auf der andern Seite stehen eingeschworene Menschengruppen, die die Engel zu ihren Alleinverbündeten machen wollen und den Glauben daran mit einer Mitgliedergebühr verbinden.

Die wirklich an Engel Glaubenden bräuchten Mut, Kraft und eine grosse Portion Selbst vertrauen, um ihre Helfer vor der Welt zu verteidigen.

Aber eigentlich ist das gar nicht nötig:  Es gibt die Engel für jene, die an sie glauben. Und ab und zu sind sie auch da für all die andern…

Freitag, 27. Januar 2017

Bezaubernder Schnee


Mein lieber Schnee, wie viele Menschen erfreuen sich jedes Jahr an dir. Du verzauberst die Landschaft mit deinem Glitzern. Manche Bäume verneigen sich vor dir, und wenn du von der Sonne beschienen wirst, glänzt dein Kleid.

Allen voran freuen sich die Kinder, die teilweise mit offenem Mund durch die Landschaft laufen, um deine Flocken auf der Zunge zergehen zu lassen, und um Schneeballschlachten zu veranstalten. Mit Freuden wird Ski, Snowboard und Schlitten gefahren, Schneeschuhwanderungen werden unternommen, Engelabdrücke in dir hinterlassen, und Schneemänner gebaut. Man kann auch nur einfach durch dich hindurch waten, oder Iglus bauen.

Du lässt die Nacht heller erscheinen, und dadurch weniger furchtsam wirken. Auch dämpfst du alle Geräusche, und die Welt um uns wird dadurch etwas langsamer und ruhiger. Jedoch für alle Wildtiere beginnt nun eine harte Zeit, da sie ihr Futter mit ihren Hufen oder Pfoten ausgraben müssen, und zum Teil auf uns Menschen angewiesen sind. Auch werden noch vorhandene Knospen und Laub verzehrt.

Aber du bringst auch Tod und Verwüstung mit deinen Lawinen. Zum Teil von Menschen ausgelöst, die keine Ehrfurcht vor dir haben. Auch vom Autofahrer wirst du oft unterschätzt und so entstehen teils schwere Unfälle. Auf Gebäude nimmst du keine Rücksicht und schiesst in sie hinein, oder erdrückst sie einfach. Sogar Überschwemmungen kannst du auslösen, wenn du in den Bergen schmilzt im Frühling.

Nicht alle Menschen lieben dich, da du ihnen Mehrarbeit bescherst. Die Strassen müssen gepflügt und gesalzen werden, und die Dächer von dir befreit. Autos abgewischt und Hauseingänge freigeschaufelt werden.

Liegst du längere Zeit, siehst du an manchen Stellen gar nicht mehr so bezaubernd aus, weil der Strassenschmutz sich mit dir vermischt hat, oder die Sonne dich zum Schmelzen bringt. Entsteht dann sogar noch Matsch, sind die Menschen dankbar, wenn du dich langsam verabschiedest.

Viele denken aber sicher auch noch ein wenig mit Wehmut an dich, und die herrliche Zeit die sie mit dir verbringen durften. Wiederum andere sind erleichtert wenn du dich endgültig verabschiedest.

Sonniger Herbstbaum


Hallo Sonne, ja, du bist meine wahre Freundin.

Denn für mich hast du dich durch die Dichte des Nebels gekämpft, um mir Licht und Wärme zu bringen. Und dafür liebe ich dich.

Immer, wenn die Herbstnebel mich von hinten anfassen und mich in ihr frostiges Gewand einhüllen, dann wird es dunkel in meiner Seele. Dann überkommt mich ein Gefühl von Traurigkeit. Kälte setzt sich auf mein Gemüt und umfasst mein Herz wie ein Eisband. Ich fühle mich ausgegrenzt. Und allein auf dieser Welt.

Ich weiss zwar, dass es sich mit meinen Baumfreunden, um mich herum, verhält, wie mit den Sternen:  Man sieht sie manchmal nicht und doch sind sie immer da.

Doch jeder von uns fühlt die Einsamkeit. Die Welt wird im Nebel kalt und still. Totenstill.

Doch dann bist es du, Sonne, die wiederum das Licht bringt und das Leben in mir und meinen Getreuen neu erweckt. Der unumstössliche Beweis, dass es uns gibt. Und mit ihm die Gewissheit, dass es sich zu leben lohnt. Auch durch den Winter.

Ja, du  bist die wahre Freundin. Danke Sonne, dass es dich gibt, die mich beschenkt. Auch ich werde dich reichlich beschenken. Im Frühling. Dann ziehe ich mein schönstes Kleid für dich an und gebe mich dir hin. Und du kannst mich durchdringen mit deinem Lebenslicht und mit allen meinen Blättern spielen. Sooft du willst. Bis in den Herbst hinein.

Doch vorerst: Wärme mich!


Der magische Brunnen


Ja, es gibt ihn wirklich, den magischen Brunnen.

Tagtäglich sind wir an ihm vorbeigegangen. ‚Zauberbrunnen‘  haben wir ihm als Kinder gesagt.

Immer wieder hat er uns zu sich gelockt. Er hat uns angezogen wie ein Magnet das Eisen. Stundenlang sind wir an seinem Rand gesessen und haben uns ìn ihn hinein versenkt. Mit allen unseren Sinnen. Einfach so. Wie in einer anderen Welt…

Aber erst als Erwachsene haben wir begriffen:  Es braucht 3 Dinge, um ihn zum Leben zu erwecken. Erstens einen Kieselstein, den man in seine Mitte werfen muss.  Zweitens Geduld, bis der Wasserspiegel wieder zur Ruhe gekommen ist und drittens eine innere Offenheit, um die Bilder, die der Brunnen offenbaren will, auch zu sehen.  Und zu hören, zu riechen, zu schmecken, zu ertasten – zu erfahren, ja, zu erleben.

Es sind Bilder, die viel mit unserem Leben zu tun haben. Bilder, die unser Leben mit Emotionen, mit Lust und Freude, aber auch mit Nachdenklichkeit und Trauer füllen können,  oder - wie es der Brunnen selber nennt – Bilder, die das Leben jagen...